Jüdisches Leben und jüdische Kultur waren über Jahrhunderte ein selbstverständlicher Teil unserer Region. Bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg lebten Juden in Sötern, später auch in Bosen und Gonnesweiler. Um 1850 lebten in diesen drei Dörfern rund 400 Einwohnerinnen und Einwohner jüdischen Glaubens. Sichtbare Zeugnisse dieser Geschichte sind bis heute die jüdischen Friedhöfe in Sötern und Gonnesweiler sowie die ehemalige Mikwe in Bosen. Auch die ehemaligen Synagogen in Sötern und Bosen und die ehemalige Schule in Sötern existieren noch und werden als private Wohnhäuser genutzt.

Es ist der Gemeinde und Bürgermeister Andreas Veit ein wichtiges Anliegen, dieses jüdische Erbe zu bewahren und sichtbar zu machen. Jüdisches Leben war über lange Zeit fester Bestandteil unserer örtlichen Gesellschaft, das durch die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus ein abruptes und grauenvolles Ende erfahren hat.

Besonders erfreulich ist, dass die Erinnerungsarbeit in unserer Gemeinde von vielen engagierten Akteurinnen und Akteuren getragen wird. Dazu zählen unter anderem Privatpersonen wie Eva Tigmann und Michael Landau mit ihrem Buch „Unsere vergessenen Nachbarn“, die Gemeinschaftsschule Türkismühle mit ihrer „AG Stolpersteine“ unter der Leitung von Lehrer Jörg Friedrich, das Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel, der Landkreis, die Heimatfreunde Türkismühle sowie zahlreiche weitere Unterstützerinnen und Unterstützer.

Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit hat bereits viele sichtbare Ergebnisse hervorgebracht: die Pflege der jüdischen Friedhöfe, die Anlage des Raimund-Hirsch-Platzes in Gonnesweiler und des Lotte-Koschelnik-Platzes in Sötern als „Orte gegen das Vergessen“, die „Wege der Erinnerung“ mit Informationstafeln an acht Stationen, Opfertafeln zum Gedenken an die 137 Opfer des Holocaust aus unserer Gemeinde, das Verlegen von Stolpersteinen sowie umfangreiche Bildungs- und Informationsangebote – darunter Unterrichtsmaterialien, eine Wanderausstellung und eine barrierearme Homepage mit Hörfassungen. Die Mikwe in Bosen ist das einzige erhaltene ehemalige jüdische Gebäude in der Gemeinde, das sich heute in öffentlichem Eigentum befindet. Nach dem Ende ihrer Nutzung als rituelles Bad trug eine spätere landwirtschaftliche Verwendung zu ihrem Erhalt bei. Dank nur geringer baulicher Veränderungen ist bis heute ein bemerkenswerter historischer Zustand erhalten.

In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt wurde das Gebäude jetzt baulich gesichert, instandgesetzt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu den Maßnahmen zählten unter anderem die Erneuerung des Daches, die Restaurierung des Innenraums, die Sicherung des historischen Bodens, ein barrierefreier Zugang sowie Informationstafeln im Innen- und Außenbereich. Künftig soll die Mikwe als zentraler Ort der Erinnerung, Information und zur Bildungsarbeit dienen.

Bürgermeister Andreas Veit dankt allen, die zum Erfolg dieses Projekt beigetragen haben. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf rund 37.000 Euro. Davon wurden 15.000 Euro durch den Bund, 7.500 Euro durch das Land, 2.500 Euro durch den Landkreis sowie 2.500 Euro durch Saartoto getragen. Der Eigenanteil der Gemeinde betrug rund 10.000 Euro.

Am vergangenen Mittwoch wurde der Abschluss der Renovierungsarbeiten im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Ev. Gemeindehaus in Bosen begangen. Im Anschluss bestand Gelegenheit, das Gebäude zu besichtigen.

Auch der SR hat über die Feier berichtet, sowohl auf der SR3 Saarlandwelle als auch am 29.01.26 im aktuellen Bericht. Über folgende Links sind die Beiträge zu erreichen:

SR-Mediathek.de: Mikwe in Bosen wiedereröffnet

SR-Mediathek.de: aktueller bericht (29.01.2026)